
Make.com und Zapier: Wo No-Code-Automatisierung an ihre Grenzen stößt
No-Code-Plattformen haben die Prozessautomatisierung in den letzten Jahren grundlegend verändert. Werkzeuge wie Zapier oder Make.com (ehemals Integromat) erlauben es, verschiedene Webanwendungen miteinander zu verknüpfen und wiederkehrende Aufgaben zu automatisieren. Mittels Drag-and-drop lassen sich Arbeitsabläufe erstellen, ohne dass dafür Programmierkenntnisse erforderlich sind. Für viele einfache Anwendungsfälle, wie das Eintragen eines neuen Leads in ein CRM oder die Benachrichtigung in einem Team-Chat, sind diese Lösungen hervorragend geeignet.
Doch sobald kleine Skripte zu tragenden Säulen der unternehmensinternen IT werden, verändert sich die Situation. Wenn Datenmengen wachsen, Datenschutzanforderungen steigen oder spezielle Branchensoftware angebunden werden muss, merken IT-Verantwortliche schnell, wie rasch Automatisierungs-Tools an ihre Grenzen kommen. Dieser Ratgeber beleuchtet die technischen und wirtschaftlichen Herausforderungen von cloudbasierten No-Code-Plattformen und zeigt auf, ab welchem Punkt eine eigene Entwicklung der nachhaltigere Weg ist.
Wo liegen bei Make.com die Grenzen im professionellen Einsatz?
Plattformen zur Prozessautomatisierung glänzen durch ihre schiere Anzahl an Integrationen. Während Zapier über 8.000 native App-Verbindungen anbietet, bringt Make immerhin über 3.000 Integrationen mit. Solange ein Standard-Szenario bedient wird, funktioniert dieses Prinzip reibungslos. Doch die Realität in mittelständischen Unternehmen erfordert oft individuelle Workflows, bei denen die vorgefertigten Bausteine nicht mehr ausreichen.
Kostenfallen durch volumenbasierte Abrechnung
Ein zentrales Problem der Cloud-Dienste ist ihr Preismodell. Make rechnet auf Basis von Credits pro ausgeführter Aktion beziehungsweise Modul ab. Bei Zapier basiert die Abrechnung auf Tasks, also pro Aktionsschritt. Was bei einem kleinen Prozess mit wenigen Vorgängen im Monat wirtschaftlich erscheint, wächst mit zunehmendem Erfolg schnell zu einem relevanten Kostenfaktor heran.
Je reibungsloser eine Automatisierung funktioniert und je häufiger sie im Betriebsalltag genutzt wird, desto teurer wird sie. Wenn ein Unternehmen beispielsweise Tausende von Freigabeprozessen digitalisieren und über diese Tools abwickeln möchte, steigen die monatlichen Gebühren stetig an, ohne dass ein zusätzlicher Mehrwert an der Software selbst entsteht. Eine individuelle Entwicklung kostet zwar initial mehr, skaliert danach aber in der Regel ohne zusätzliche Transaktionsgebühren für jeden einzelnen Durchlauf.

Datenschutz und die Frage der Datenhoheit
Ein weiterer kritischer Punkt ist die Verarbeitung der Daten. Bei der Nutzung von Make oder Zapier laufen die Unternehmensdaten über eine Drittplattform. Zwar bietet Make Server in der EU an, bleibt aber ein reiner Cloud-Dienst ohne die Möglichkeit eines Self-Hostings. Bei Zapier werden die Daten in der Regel auf US-Servern verarbeitet, was von vielen Fachleuten unter DSGVO-Gesichtspunkten kritisch gesehen wird.
Sobald personenbezogene oder sensible Informationen aus Kundenakten, Bewerbungen oder vertraulichen Projekten automatisiert verarbeitet werden, muss die rechtliche Situation genau geprüft werden. Klären Sie mit Ihrem Datenschutzbeauftragten, ob und in welchem Rahmen die Weitergabe dieser Daten an Drittanbieter zulässig ist. Eine eigene Softwarelösung, die in einem deutschen Rechenzentrum oder auf den eigenen Servern des Unternehmens betrieben wird, bietet hier deutlich mehr Kontrolle und Datenhoheit.
Welche Nachteile bringt Zapier mit sich?
Zapier ist besonders durch seine flache Lernkurve beliebt, da es Anwendern ermöglicht, sofort nutzbare Prozesse zu erstellen. Doch wenn Zapier im Mittelstand an seine Limits stößt, liegt das oft an der fehlenden Tiefe für komplexe Logiken. In den günstigeren Tarifen sind die Workflows meist streng linear aufgebaut, während native Schleifen (Loops) oder tiefgreifendes Error-Handling fehlen.
Darüber hinaus gibt es einige spezifische Aspekte, die den professionellen Einsatz erschweren können:
- Eingeschränkte Programmierbarkeit: Anwender, die spezielle Code-Logiken benötigen, werden durch die Limitierungen der Plattform ausgebremst. Zapier bietet zwar grundlegende Flexibilität, aber keine native Ausführung umfangreicher Skripte.
- Fehlende Portierbarkeit (Vendor Lock-in): Wer Monate in den Aufbau komplexer Zaps investiert hat, kann diese nicht einfach exportieren. Das proprietäre Format bindet das Unternehmen stark an den Anbieter und erschwert einen späteren Wechsel.
- Abhängigkeit von Dritt-Apps: Die Stabilität des eigenen Workflows ist stets davon abhängig, wie zuverlässig die APIs der angebundenen Anwendungen funktionieren.
Make bietet hier zwar eine höhere Workflow-Komplexität mit nativen Routern, Iteratoren und Aggregatoren, leidet aber an ähnlichen Einschränkungen hinsichtlich der Code-Flexibilität und des Vendor Lock-ins. Beide Systeme zwingen Nutzer dazu, sich an die Vorgaben des Baukastens anzupassen, anstatt die Logik exakt auf die eigenen Geschäftsprozesse zuzuschneiden.
Das unsichtbare Risiko: Unwartbare Workflows
Ein häufig unterschätztes Problem ist die langfristige Wartbarkeit. Was als simple Verknüpfung zweier Tools beginnt, wächst oft organisch zu einem unübersichtlichen Konstrukt heran. Sobald Sonderfälle, komplexe Bedingungen und Workarounds integriert werden, wird die vermeintlich einfache Lösung hochgradig fragil. Ein winziger Fehler in einem verzweigten Workflow kann dazu führen, dass der gesamte Prozess stillsteht.
Da „No-Code" nicht zwangsläufig bedeutet, dass die Prozesse für jedermann leicht verständlich sind, entsteht schnell ein gefährliches Wissensmonopol. Verlässt die Person, die den Flow initial zusammengeklickt hat, das Unternehmen, weiß oft niemand mehr, wie das System im Detail funktioniert. Im Gegensatz zu sauber dokumentiertem und versioniertem Quellcode bei einer professionellen Softwareentwicklung lassen sich Fehler in stark verzweigten No-Code-Flows oft nur mühsam nachvollziehen.

Vom Prototyp zur eigenen Lösung
Trotz der genannten Nachteile haben Werkzeuge wie Zapier oder Make durchaus ihre Berechtigung. Sie eignen sich hervorragend für die erste Produktvalidierung. Ähnlich wie bei der MVP-Entwicklung können Unternehmen Prozesse zunächst mit No-Code testen, das Feedback aus der Praxis sammeln und die grundsätzliche Machbarkeit überprüfen.
Wenn sich der Ablauf etabliert hat und die kritische Masse erreicht ist, lohnt sich der Umstieg. Eine eigene Automatisierung zahlt sich vor allem dann aus, wenn:
- Das Transaktionsvolumen hoch ist: Eigener Code verursacht keine Gebühren pro Ausführung. Die Kosten für Individualsoftware amortisieren sich bei vielen Vorgängen oft schon nach wenigen Monaten.
- Sensible Daten verarbeitet werden: Die Verarbeitung bleibt auf Ihren eigenen Servern oder in einem dedizierten deutschen Rechenzentrum, was Ihnen die volle Datenhoheit sichert.
- Eigene Prozesse abgebildet werden müssen: Die Logik passt sich exakt Ihren internen Abläufen an, wie etwa bei einer tief integrierten Mitarbeiter-App oder einem spezifischen Genehmigungs-Workflow, und nicht dem kleinsten gemeinsamen Nenner eines Standard-Bausteins.
Den Übergang von No-Code zu eigenem Code strategisch meistern
No-Code-Tools sind mächtige Einstiegshilfen in die Digitalisierung. Sie machen Automatisierung schnell und ohne tiefes technisches Wissen erlebbar. Für Randprozesse und kleine Teams bleiben sie oft dauerhaft die beste Wahl. Doch Unternehmen, die langfristig wachsen und kritische Kernprozesse digitalisieren wollen, dürfen die Grenzen dieser Plattformen nicht ignorieren.
Hohe laufende Kosten, unklare Datenschutz-Szenarien und die Gefahr unwartbarer Workflows sind deutliche Indikatoren dafür, dass der Baukasten ausgedient hat. Der Wechsel zu einer eigens entwickelten Lösung bedeutet anfangs zwar ein Entwicklungsprojekt, liefert am Ende aber eine stabile, rechtlich besser kontrollierbare und vor allem skalierfähige Infrastruktur, die dem Unternehmen voll und ganz gehört.
Häufige Fragen zu den Limitierungen von Cloud-Automatisierungen
Warum steigen die Kosten bei Make und Zapier oft unerwartet schnell?
Die Preismodelle dieser Plattformen basieren auf der Anzahl der ausgeführten Aufgaben (Tasks) oder Aktionen (Credits). Je öfter ein Workflow ausgelöst wird oder je mehr Schritte er enthält, desto höher fallen die monatlichen Gebühren aus. Bei hohem Durchsatz wird dies schnell unwirtschaftlich.
Wie sicher sind meine Unternehmensdaten bei diesen Tools?
Da die Daten zwingend über die Server der Drittanbieter geschleust werden, geben Sie einen Teil der Datenkontrolle ab. Während Make Server in der EU bereitstellt, arbeitet Zapier überwiegend mit US-Servern. Ob dies für Ihre spezifischen Daten zulässig ist, sollte stets im Einzelfall geprüft werden.
Können komplexe Bedingungen in Zapier problemlos abgebildet werden?
Nur bedingt. In den Einstiegstarifen ist Zapier oft auf lineare Prozesse limitiert. Werden viele Verzweigungen, Schleifen oder Ausnahmen benötigt, stößt die Benutzeroberfläche schnell an ihre Grenzen und der Workflow wird unübersichtlich.
Was passiert, wenn ein angebundenes System seine Schnittstelle ändert?
Sie sind abhängig von den vorgefertigten Modulen der Automatisierungs-Tools. Wenn Make oder Zapier ein Update einer Drittanbieter-API nicht schnell genug nachpflegen, kann Ihr gesamter Prozess ausfallen, ohne dass Sie selbst in den Code eingreifen können.
Wann ist der richtige Zeitpunkt, um auf Individualsoftware zu wechseln?
Der Wechsel ist sinnvoll, wenn die monatlichen Abo-Kosten die Investition in eine eigene Lösung übersteigen, wenn Datenschutzvorgaben eine lokale Verarbeitung (On-Premises oder eigener EU-Server) erzwingen oder wenn die Logik der Prozesse durch Standard-Bausteine nur noch fehleranfällig über Umwege abgebildet werden kann.